Klein und praktisch – ein Riesending

Es war ein gemütlicher Abend, mein alter Freund Benni hatte zwei Flaschen feinsten Zinfandel mitgebracht, die bestellte Riesenpizza war lecker gewesen und wir kamen ins Klönen. Wie üblich landeten wir bei dem Stichwort „moderne Zeiten“. Benni ist glühender Anhänger aller nach seiner Meinung höchst sinnvollen Modernisierungen, ich hingegen heize noch heute mein Haus mit Holz und mache allerlei Dinge auf vollkommen altmodische Art.

„Unpraktisch, zeitraubend, anstrengend“ argumentiert Benni jedes Mal. Aber bei diesem Treffen ging er eindeutig zu weit. Wir waren nämlich gerade bei so kleinen und praktischen Dingen wie Plastikkarten, Endoskopkameras und Datensticks angelangt, da fügte Benni ganz locker-flockig hinzu: „Wenn die Romane, die Du schreibst, nicht so elend dick wären, würdest Du sicher mehr davon verkaufen“. Also da verschlug es mir, und das will was mich betrifft schon etwas heißen, doch echt für Sekunden die Sprache. Sobald ich wieder den Mund aufbekam, entspann sich eine heftige Diskussion, die am Ende in einen handfesten Streit abzugleiten drohte.

Nach der ersten Hälfte der zweiten Flasche Zinfandel fragte ich spitz, ob er sich vorstelle, dass ich künftig Mikrostorys im Format von Plastikkarten verfassen solle, um mit meiner Schreiberei marktgängiger zu werden. Benni horchte auf, schaute mich mit großen Augen an und rief: „Jepp! Jetzt hast du es endlich kapiert und eine gute Idee hast du gleich auch noch“.

Ich war zu müde, um mich weiter zu streiten, der Rotwein war auch alle und mein Bett lockte. Benni brach auf, nicht ohne das Versprechen, bald wiederzukommen. Kopfschüttelnd brachte ich ihn zur Tür.

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